Ich hatte, durch einen Zeitungsartikel auf die Aktivitäten des NaWi-Hauses aufmerksam geworden, mich für den Bau eines
Modellflugzeuges mit Kindern und Jugendlichen beworben. War zuerst die Reaktion eher verhalten, entschied sich dann
spontan ein ganzer Bastelkurs dazu, eben diesen Flieger zu basteln. Das Material, von mir für ca. 8 TeilnehmerInnen zusammengestellt,
mußte flugs verdoppelt und Arbeitsunterlagen hergerichtet werden.
Die in Aussicht gestellten Räume eigneten sich nach näherem Betrachten nicht für einen über 8 Wochen laufenden Kurs: die teilfertigen Flugzeuge brauchten Platz und Ruhe bis zum nächsten Bautermin. Wir zogen in einen Raum um, der sonst von Projektgruppen zum Thema 'Jugend forscht' genutzt wurde. Daher die Überschrift, für das laufende Vorhaben gute Rahmenbedingungen.
Jetzt, nach dem dritten Treffen der ersten Gruppe, nehmen schon einige Baugruppen Form an: Rümpfe im Rohbau und jede Menge
aufgereihter Rippen mit verklebten Nasen- und Endleisten.
Die Begeisterung hat noch keine Spur nachgelassen. Jana, die Flotteste von allen, läuft mir mit ihren leimfeuchten Bauteilen hinterher
mit der Frage, wann es denn nun endlich weiter ginge.
Viele Eltern holen ihre Kinder aus der Bastelrunde ab. Sofort müssen sie sich zeigen lassen, was so in der letzten Stunde an Baufortschritt erzielt wurde.
Manch Elternteil wundert sich, wie produktiv ihr Nachwuchs sein kann, wenn es denn nur Spaß bringt.
In loser Reihe bringe ich die nächsten Wochen hier weitere Texte und viele viele Fotos. Habe mir letzte Woche günstig so
eine Digitalkamera abstauben können, nun geht das alles viel flinker ins Netz ;-) .
Und jetzt noch ein typisches Bild von Jana: nun man flott, gib mal her, mach mal, schneller....
Die folgenden Fotos stammen vom 11.3.99, also der zweiten Teilgruppe der insgesamt 15 Kinder. Etwas lebhaft als Gruppe, aber immer noch mit zufriedenstellenden Bauleistungen.
Basteln und schnacken, auch Jungs können das meisterhaft ...
Ein paar Hilfslinien, und dann feste Leim drauf.
Zu Hause fallen der Mutter die Kleider auseinander, hier werden die Nadeln gebraucht.
Flugzeugwerft mit Konstruktionselementen, oder Holz mit Nadeln. Wie man es gerne möchte.
Mit voller Konzentrtion den Kleber gleichmäßig verstreichen, das hält (fast) ewig.
Chirurgenfinger vollenden Edles.
So bei der Sache kennen wir ihn eigentlich gar nicht - was ist los ;-) ?
Zwei Finger halten die Rippe auf Maß, der kleine Stab verteilt gleichmäßig den Kleber. Geschickt!
So leichtes Balsaholz, das zerfällt schon fast von alleine, wenn man es anfaßt. Also - Vorsicht!
Die Flächenhälften werden mit sogenannten "Ohren" versehen. Diese geben Stabilität im Kurvenflug.
Bis der Kleber durchgetrocknet ist, hält eine Lehre das Ohr in dem richtigen Winkel fest. Zur Tragfläche hin stützt eine Strebe aus Balsa das Ohr ab (wird gerade von der Nadel fixiert).
Im nächsten Schritt werden die Flächenhälften mit vorgegebener V-Form zusammengefügt. Die Kinder bauen jetzt schon Rumpf und Flächen parallel, damit keine Zeit
beim Durchtrocknen einzelner Bauteile ungenutzt verstreicht.
Nachdem die Rümpfe verschliffen worden sind, wird die Flächenauflage rechtwinklig auf den Rumpf montiert. Hier muß Sorgfalt walten, da insbesondere beim Hochstart
an dieses Bauteil harte Anforderungen gestellt werden.
So, mittlerweile ist für die Mittwochgruppe der fünfte Bastelabend vorbei. Die Teile des Fliegers nehmen Gestalt an, ein Modell wurde bereits teilweise grundiert.
Wichte Bauteile müssen eingepaßt werden, die Zeit für Kontrolle des richtigen Einbaus erfordern. Nicht allen Kindern geht es schnell genug, zumal wir nur mit
Kaltleim kleben. Abends über die Woche kommen dann schon mal die Heinzelmännchen und arbeiten an dem einen oder anderen Modell nach. Wenn die
Osterferien vorbei sind, kommt auf alle Modelle Farbe und letzte Handgriffe bereiten den dann bald folgenden Erstflug vor.

An die ausgemessene Position kommt das Seitenruder auf den Rumpf. Die Steuerfläche wird mit kleinen Weißblechstreifen eingeklebt, mit deren Hilfe sich später leicht
der benötigte Ruderausschlag einstellen läßt.
Eine Lehre (Abstandshalter) hält die Flächenhälften in der richtigen Position, .....
...während in der Mitte der Flächenverbinder aus solidem Sperrholz für ausreichende Festigkeit sorgt.
Wenn alle Teile miteinander verklebt und ausreichend durchgetrocknet sind, geht es ans Schleifen und Grundieren des Rohbaus. Das dauert natürlich wieder eine Weile, aber die Oberflächenqualität
der zu lackierenden Teile hängt sehr stark davon ab. Später soll das Modell, wenn es denn einmal ins feuchte Gras geflogen ist, sich ja nicht sofort in seine Bestandteile auflösen.
Mit Hilfe der hier gezeigten Vorrichtung stellt man den Schwerpunkt des Fliegers ein. Dazu muß er aber fertig gebaut und lackiert sein. Eine Trimmkammer im vorderen Rumpf
dient zur Einstellung, indem dort die notwendige Bleizugabe erfolgt. Bei richtiger Schwerpunktlage neigt sich der Rumpf um ein paar Grad nach unten. In einem der folgenden Bilder
wird das Auswiegen nochmals dargestellt.
Der Rumpf erhält seinen Anstrich mehr zum Schutz vor Witterungseinflüssen, also insbesondere gegen Feuchtigkeit. Die Tragfläche muß zwar auch notfalls Regen einiger Zeit widerstehen, hier soll
der Spannlack aber hauptsächlich dem (in diesem Fall benutzten) Bespannpapier eine zusätzliche Festigkeit und dem Profil entsprechende Form geben. Dazu muß mehrmals mit Spannlack gestrichen werden.
Zuerst eher dünner, zuletzt unverdünnt. Bitte immer gut lüften, die Ausdünstungen sind gesundheitsschädlich!
Jetzt, wo sich die Formen des fertigen Fliegers schon besser abzeichnen, werden letzte Arbeiten mit besonderem Elan vollzogen. Der farblichen Gestaltung des Fliegers sind keine Grenzen gesetzt. Grasgrün
als Farbe ist bei einem Flugzeug, das auch schon mal weit weg auf einer Wiese oder in einem Maisfeld landet, nicht klug gewählt. Leuchtfarben kommen da viel besser!
Nachdem nun sämtliche Arbeiten am Modell fertiggestellt sind, muß der Schwerpunkt korrekt ausgewogen werden. Also rauf auf die "Waage", am richtigen Punkt (nach Plan) aufgesetzt und mit Blei in der Ballastkammer im Rumpfvorderteil
die korrekte Neigung des Rumpfes auswiegen. Feinabstimmungen werden darüber hinaus erst auf dem Flugfeld bei ersten Testflügen vorgenommen. Spannend scheint es ja für die jungen Konstrukteure zu sein!
Nun ist es vollbracht! Von den 15 Jungen und Mädchen konnten alle ihr Modell in der vorgegebenen Zeit fertigstellen. Der überwiegende Teil wollte sein oder ihr Modell nun aber auch fliegen sehen. Dazu bedarf
es zwar eines großen Fluggeländes (selbst ein Sportplatz ist zu klein dafür), für die ersten Lufthüpfer ging es aber eben um die Ecke auf eine frei Wiese. Und siehe da, nach ein paar Korrekturen zogen alle
Flieger ruhig ihre Bahn durch die Lüfte. Bei zwei, drei Modellen gab es dann auch schon die erste unsanfte Berührung mit Hindernissen, die Tube Sekundenkleber half hier noch vor dem endgültigen Nachhauseweg.Gruß Herbert Martens